Der Begriff Anti Aggressions Therapie beschreibt keine einheitlich festgelegte Behandlungsform. Häufig suchen Menschen darunter Unterstützung bei wiederkehrender Wut, aggressivem Verhalten oder bereits ausgeübter Gewalt. Je nach Ursache und Situation können eine psychotherapeutische Behandlung, eine psychiatrische Abklärung oder ein pädagogisches Anti-Aggressivitäts-Training infrage kommen.
Bei der AKADEMIE EiGEN-SiNN bieten wir keine Psychotherapie an. Unser Anti-Aggressivitäts-Training AAT® – ROKT® „Ein Leben ohne Gewalt“ ist ein pädagogisches Training für aggressive und gewalttätige Jugendliche und junge Erwachsene ab 16 Jahren. Im Mittelpunkt stehen konkrete Gewalttaten, persönliche Auslöser, die Folgen für betroffene Menschen und die Entwicklung gewaltfreier Handlungsmöglichkeiten.
Was ist eine Anti Aggressions Therapie?
„Anti Aggressions Therapie“ ist ein umgangssprachlicher Suchbegriff. Er kann unterschiedliche Formen der Unterstützung meinen. Deshalb sollte zuerst geklärt werden, ob aggressives Verhalten im Zusammenhang mit einer psychischen Erkrankung steht oder ob ein pädagogisches Training zur Bearbeitung konkreter Gewaltmuster benötigt wird.
Psychotherapie behandelt seelische Erkrankungen mit wissenschaftlich anerkannten psychotherapeutischen Verfahren. Ob eine solche Behandlung erforderlich ist, kann in einer psychotherapeutischen Sprechstunde geprüft werden. Dort wird eingeschätzt, ob eine Psychotherapie empfohlen wird und welche weiteren Schritte sinnvoll sind.
Ein Anti-Aggressivitäts-Training verfolgt einen anderen Ansatz. Die Teilnehmenden setzen sich mit ihrem Verhalten auseinander, übernehmen Verantwortung für ihre Taten und erarbeiten Alternativen zur Gewalt. Unser AAT® ist deshalb keine medizinische oder psychotherapeutische Behandlung und darf eine notwendige Therapie nicht ersetzen.
Wann kann Psychotherapie notwendig sein?
Aggressives Verhalten kann sehr unterschiedliche Hintergründe haben. Nicht jeder Wutausbruch bedeutet automatisch, dass eine psychische Erkrankung vorliegt. Wiederholte Kontrollverluste können jedoch mit psychischen Belastungen, Suchterkrankungen, traumatischen Erfahrungen oder anderen behandlungsbedürftigen Problemen verbunden sein.
Eine psychotherapeutische oder ärztliche Abklärung ist besonders wichtig, wenn starke Stimmungsschwankungen, anhaltende psychische Beschwerden, Suchtmittelkonsum oder wiederkehrende Krisen hinzukommen. Fachlich qualifizierte Behandelnde können prüfen, ob eine Erkrankung vorliegt und welche Behandlung geeignet ist.
Die gesetzliche Psychotherapie-Richtlinie grenzt Psychotherapie ausdrücklich von Erziehungsberatung, heilpädagogischen Angeboten und ähnlichen Maßnahmen ab. Pädagogische Trainings werden daher nicht allein dadurch zu einer Psychotherapie, dass sie Verhalten verändern oder psychologische Themen aufgreifen.
Bei einer akuten Selbst- oder Fremdgefährdung reicht weder ein gewöhnlicher Beratungstermin noch ein Anti-Aggressivitäts-Training aus. Dann muss sofort professionelle Notfallhilfe eingeschaltet werden.
Wann eignet sich unser Anti-Aggressivitäts-Training?
Unser AAT® richtet sich an Jugendliche und junge Erwachsene ab 16 Jahren, die aggressiv oder gewalttätig handeln. Dazu gehören Menschen, die bereits Gewalt ausgeübt haben, denen weitere Konsequenzen drohen oder die durch Schulen, Behörden oder Gerichte zur Teilnahme verpflichtet wurden. Auch eine freiwillige Teilnahme ist möglich.
Das Training kommt vor allem dann infrage, wenn konkrete Verhaltens- und Gewaltmuster bearbeitet werden sollen. Die Teilnehmenden beschäftigen sich nicht nur mit dem sichtbaren Ausbruch. Sie untersuchen auch, welche Gedanken, Gefühle und Situationen einer Eskalation vorausgehen.
Unser vollständiges Anti-Aggressivitäts-Training umfasst mindestens 20 Termine. Bei zusätzlichem Bedarf oder auf Anordnung einer Institution kann es verlängert werden. Der genaue Rahmen wird vor Beginn mit den Beteiligten abgestimmt.
Welche Inhalte bearbeiten wir im AAT®?
Zu Beginn betrachten wir persönliche Aggressivitätsauslöser. Die Teilnehmenden prüfen, welche Situationen sie als Provokation wahrnehmen und weshalb bestimmte Konflikte besonders schnell eskalieren. Auch vermeintliche Vorteile aggressiven Verhaltens werden angesprochen. Gewalt kann kurzfristig beispielsweise als Mittel erlebt werden, um Kontrolle, Anerkennung oder Ruhe zu erzwingen. Die langfristigen Folgen werden dabei häufig ausgeblendet.
Ein weiterer Schwerpunkt sind sogenannte Neutralisierungstechniken. Damit sind Rechtfertigungen gemeint, durch die jemand die eigene Verantwortung abschwächt. Aussagen wie „Die andere Person hat angefangen“ oder „Ich hatte keine Wahl“ können einen vorausgegangenen Konflikt beschreiben. Sie ändern jedoch nichts daran, dass die eigene Gewalthandlung eine eigene Entscheidung war.
Zu den weiteren Inhalten unseres AAT® gehören:
- Selbstbild und tatsächliches Verhalten,
- Opferkommunikation und Perspektivübernahme,
- Impulssteuerung und Impulskontrolle,
- persönliche Erfahrungen und Biografiearbeit.
Die Teilnehmenden sollen nachvollziehen, welche Folgen ihre Taten für andere Menschen hatten. Gleichzeitig entwickeln sie konkrete Möglichkeiten, in zukünftigen Konflikten anders zu handeln.
Wie arbeiten wir mit aggressivem Verhalten?
Wir arbeiten mit Gesprächen, Interviews, Fragebögen, Übungen und Spielen. Hinzu kommen körperbetonte Übungen, Rollen- und Theaterspiele, Körpersprache, Visualisierungen, Biografiearbeit und Aufgaben zwischen den Terminen.
Diese Methoden machen Verhalten sichtbar. In einer konkreten Übung zeigt sich häufig deutlicher als in einem allgemeinen Gespräch, wie jemand auf Kritik, Widerstand oder eine gesetzte Grenze reagiert. Anschließend wird gemeinsam ausgewertet, was zur Eskalation beigetragen hat und an welcher Stelle eine gewaltfreie Entscheidung möglich gewesen wäre.
Die Konfrontation mit dem eigenen Verhalten soll nicht beschämen. Sie verlangt aber, Widersprüche und Rechtfertigungen auszuhalten. Eine Veränderung wird erst möglich, wenn Verantwortung nicht dauerhaft an andere Personen, die Gruppe oder die Situation abgegeben wird.
Was bedeutet ROKT®?
Unsere Trainings folgen dem Ansatz ROKT® – RessourcenOrientierte Konfrontative Trainings. Wir sprechen Gewalttaten und Grenzüberschreitungen klar an. Gleichzeitig betrachten wir die Person nicht ausschließlich über ihre Defizite.
Ressourcenorientierung richtet die Aufmerksamkeit auf Fähigkeiten, Stärken und bereits vorhandene Bewältigungsmöglichkeiten. Diese können genutzt werden, um andere Reaktionen aufzubauen. Konfrontation und Wertschätzung schließen sich für uns deshalb nicht aus.
Wir setzen klare Grenzen, ohne Menschen herabzusetzen. Die Teilnehmenden sollen erkennen, welche Verantwortung sie tragen und welche Handlungsmöglichkeiten ihnen künftig zur Verfügung stehen. Die AKADEMIE EiGEN-SiNN verbindet diesen Ansatz mit ihrer praktischen Arbeit in Gewaltprävention, Intervention und Jugendhilfe.
Können Therapie und Training kombiniert werden?
Eine psychotherapeutische Behandlung und ein pädagogisches Anti-Aggressivitäts-Training verfolgen unterschiedliche Aufgaben. Im Einzelfall können beide Formen der Unterstützung sinnvoll sein. Das AAT® behandelt jedoch keine psychische Erkrankung. Umgekehrt ersetzt eine Therapie nicht automatisch die konkrete pädagogische Auseinandersetzung mit ausgeübter Gewalt und deren Folgen.
Ob mehrere Maßnahmen miteinander kombiniert werden sollten, müssen die beteiligten Fachstellen im konkreten Fall klären. Dabei sollte eindeutig geregelt sein, wer welche Aufgabe übernimmt und welche Informationen weitergegeben werden dürfen.
Passende Unterstützung mit uns klären
Jugendliche, junge Erwachsene, Angehörige, Schulen, Behörden und Jugendhilfeeinrichtungen können sich mit ihrer Situation an uns wenden. Wir prüfen, ob unser vollständiges AAT® oder ein anderes ROKT®-Training zum jeweiligen Bedarf passt.
Bestehen Anzeichen für eine psychische Erkrankung oder eine akute Krise, empfehlen wir eine zusätzliche ärztliche, psychiatrische oder psychotherapeutische Abklärung. Eine psychische Krise kann professionelle Unterstützung erforderlich machen und sollte nicht allein mit Übungen oder pädagogischen Gesprächen behandelt werden.
Nach der Klärung des Trainingsauftrags stimmen wir Umfang und Durchführung ab. Institutionelle Auftraggeber erhalten von uns ein individuelles und unverbindliches Angebot.
