Ein Anti Aggressions Training richtet sich an Jugendliche und junge Erwachsene, die wiederholt aggressiv oder gewalttätig handeln. Im Training setzen sie sich mit konkreten Taten, persönlichen Auslösern und den Folgen für andere Menschen auseinander. Ziel ist, Verantwortung zu übernehmen und für künftige Konflikte gewaltfreie Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln.
Bei der AKADEMIE EiGEN-SiNN bieten wir dafür das Anti-Aggressivitäts-Training AAT® – ROKT® „Ein Leben ohne Gewalt“ an. Es ist für aggressive und gewalttätige Jugendliche sowie junge Erwachsene ab 16 Jahren konzipiert. Dazu gehören freiwillig Teilnehmende ebenso wie Personen, die durch Schulen, Gerichte oder Behörden zur Teilnahme verpflichtet wurden.
Was unterscheidet ein Anti Aggressions Training von einem kurzen Workshop?
Ein vollständiges Anti Aggressions Training ist keine einzelne Unterrichtsstunde und kein allgemeiner Vortrag über Gewalt. Die Teilnehmenden bearbeiten ihr eigenes Verhalten über einen längeren Zeitraum. Sie prüfen, wodurch Aggressionen ausgelöst werden, welche Rechtfertigungen sie bisher verwendet haben und an welchen Punkten sie anders hätten handeln können.
Unser vollständiges AAT® umfasst mindestens 20 Termine. Es findet grundsätzlich einmal pro Woche für drei Stunden oder nach individueller Vereinbarung statt. Bei zusätzlichem Bedarf oder auf Anordnung einer Institution kann sich der Trainingszeitraum verlängern.
Für Klassen und Gruppen nennen wir auf unserer Angebotsseite auch Einheiten von 60 oder 90 Minuten. Diese Formate sind jedoch nicht automatisch mit dem vollständigen AAT® gleichzusetzen. Ein kürzeres Gruppenangebot kann beispielsweise der Prävention, der ersten Konfliktbearbeitung oder der Stärkung sozialer Kompetenzen dienen. Welches Format geeignet ist, hängt vom bisherigen Verhalten, vom pädagogischen Auftrag und von den Zielen der anfragenden Einrichtung ab.
Wann ist ein Anti Aggressions Training sinnvoll?
Unser AAT® richtet sich an Jugendliche und junge Erwachsene, die Gewalt eingesetzt haben oder deutlich durch aggressives Verhalten auffallen. Eine Teilnahme kann sinnvoll sein, wenn Konflikte wiederholt eskalieren, andere Menschen bedroht werden oder körperliche Gewalt bereits Teil des Verhaltens geworden ist.
Die Akademie nennt ausdrücklich verurteilte oder von anderen Konsequenzen bedrohte Gewalttäter ab 16 Jahren als Zielgruppe. Auch junge Menschen, die selbst merken, dass sie ihre Aggressionen nicht ausreichend kontrollieren können, können freiwillig teilnehmen.
Nicht jede schwierige Situation erfordert das vollständige AAT®. Bei ersten Konflikten, Problemen innerhalb einer Schulklasse oder einem allgemeinen Bedarf an Gewaltprävention kann ein anderes ROKT®-Training geeigneter sein. Wir bieten deshalb neben dem AAT® weitere Präventions-, Interventions- und Sozialkompetenztrainings an.
Welche Inhalte gehören zum Training?
Ein Schwerpunkt liegt auf den persönlichen Aggressivitätsauslösern. Die Teilnehmenden untersuchen, welche Situationen sie als Provokation, Kränkung oder Bedrohung wahrnehmen. Dabei wird auch betrachtet, welchen kurzfristigen Vorteil aggressives Verhalten aus ihrer Sicht verspricht.
Manche erleben Gewalt beispielsweise als Möglichkeit, Kontrolle herzustellen, Anerkennung zu erzwingen oder einen Konflikt schnell zu beenden. Im Training stellen wir diesen vermeintlichen Vorteilen die tatsächlichen Folgen gegenüber.
Weitere Inhalte unseres AAT® sind:
- das Verhältnis zwischen Selbstbild und Realität,
- Neutralisierungstechniken und Rechtfertigungen,
- Opferkommunikation und Perspektivübernahme,
- Impulssteuerung und Impulskontrolle,
- persönliche Erfahrungen und Biografiearbeit.
Neutralisierungstechniken sind Erklärungen, mit denen Menschen ihre Verantwortung abschwächen. Aussagen wie „Der andere hat angefangen“ oder „Ich musste mich verteidigen“ können einen vorausgegangenen Konflikt beschreiben. Sie beantworten aber nicht automatisch, weshalb Gewalt als Reaktion gewählt wurde.
Im Training richten wir den Blick deshalb auf die eigene Entscheidung. Die Teilnehmenden prüfen, welchen Handlungsspielraum sie hatten und welche gewaltfreie Reaktion an derselben Stelle möglich gewesen wäre. Die genannten Inhalte entsprechen dem aktuellen AAT®-Angebot der AKADEMIE EiGEN-SiNN.
Welche Rolle spielt die Perspektive der Opfer?
Aggressives Verhalten wird von der handelnden Person häufig anders wahrgenommen als von den Betroffenen. Was jemand als kurze Auseinandersetzung oder notwendige Reaktion beschreibt, kann bei einem anderen Menschen Angst, Verletzungen oder länger anhaltende Belastungen auslösen.
Opferkommunikation und Perspektivübernahme gehören deshalb ausdrücklich zu unserem AAT®. Die Teilnehmenden sollen verstehen, welche Folgen ihre Entscheidungen für andere Menschen hatten. Dabei geht es nicht nur um die unmittelbare Tat, sondern auch um Auswirkungen auf Sicherheit, Beziehungen, Schule, Beruf und Alltag.
Perspektivübernahme bedeutet nicht automatisch, dass ein direkter Kontakt zum Opfer hergestellt wird. Ob ein solcher Kontakt überhaupt sinnvoll und verantwortbar ist, muss im Einzelfall fachlich geprüft werden.
Wie läuft das Anti Aggressions Training ab?
Wir arbeiten nicht ausschließlich mit Gesprächen. Zu den Methoden gehören Fragebögen und Interviews, interaktionspädagogische Übungen, sportliche und körperbetonte Spiele, Rollen- und Theaterspiele, Körpersprache, Visualisierungen, Biografiearbeit und Aufgaben zwischen den Terminen.
Praktische Übungen machen sichtbar, wie eine Person auf Kritik, Widerstand oder eine klare Grenze reagiert. Anschließend wird ausgewertet, welche Gedanken, körperlichen Signale und Entscheidungen zur Eskalation beigetragen haben.
Die Teilnehmenden entwickeln darauf aufbauend alternative Reaktionen. Sie üben beispielsweise, frühe Warnzeichen ihrer Anspannung zu erkennen, Konflikte rechtzeitig zu unterbrechen oder Grenzen sprachlich auszudrücken. Die konkrete Methodenauswahl richtet sich nach Alter, Zusammensetzung der Gruppe, Trainingsauftrag und bisherigen Gewalterfahrungen.
Was bedeutet ROKT®?
Unsere Arbeit basiert auf ROKT® – RessourcenOrientierten Konfrontativen Trainings. Wir sprechen problematisches Verhalten klar an und setzen nachvollziehbare Grenzen. Gleichzeitig richten wir den Blick auf Fähigkeiten, Stärken und bereits vorhandene Handlungsmöglichkeiten.
Ressourcenorientierung bedeutet nicht, Gewalt zu entschuldigen. Konfrontation bedeutet ebenso wenig, Menschen zu beschämen oder herabzusetzen. Wir verbinden klare Verantwortung mit Beziehung, Reflexion und praktischen Erfahrungen.
Alle Trainerinnen und Trainer der AKADEMIE EiGEN-SiNN verfügen laut unserer Teamdarstellung über eine pädagogische Grundausbildung sowie zusätzliche Qualifikationen im Bereich ROKT®, AAT® oder Coolness-Training.
Welche Ziele verfolgt das Training?
Das zentrale Ziel ist eine gewaltfreie Lebensperspektive. Die Teilnehmenden sollen erkennen, welche persönlichen Risikofaktoren Konflikte verschärfen und an welchen Punkten sie künftig anders handeln können.
Dazu gehört, Verantwortung nicht dauerhaft an andere Menschen, die Gruppe oder die Situation abzugeben. Ein äußerer Auslöser kann einen Konflikt erklären. Er entscheidet aber nicht automatisch über die eigene Reaktion.
Das Training verlangt deshalb aktive Mitarbeit. Anwesenheit allein reicht nicht aus. Die Teilnehmenden müssen bereit sein, ihre Taten, bisherigen Rechtfertigungen und persönlichen Verhaltensmuster zu prüfen.
Anti Aggressions Training bei der AKADEMIE EiGEN-SiNN
Wir sind eine ambulante Jugendhilfeeinrichtung in freier Trägerschaft und bieten Gewaltpräventions- sowie Interventionstrainings bis hin zum AAT® an.
Jugendliche, junge Erwachsene, Angehörige, Schulen, Behörden und Einrichtungen können uns ihre Ausgangssituation schildern. Anschließend prüfen wir, ob das vollständige Anti Aggressions Training oder ein anderes ROKT®-Angebot zum konkreten Bedarf passt. Umfang, Durchführung und Kosten stimmen wir auf Grundlage des jeweiligen Auftrags ab.
