Eine Fortbildung selbstverletzendes Verhalten gibt pädagogischen Fachkräften mehr Sicherheit im Umgang mit Kindern und Jugendlichen, die sich selbst Verletzungen zufügen. In unserer eintägigen Fortbildung „Selbstverletzendes Verhalten – Die Paradoxie der Selbstbeschädigung als Selbstfürsorge“ beschäftigen wir uns mit möglichen Hintergründen, professionellen Reaktionen und den Grenzen der pädagogischen Rolle.
Selbstverletzendes Verhalten stellt Fachkräfte häufig vor schwierige Fragen: Was steckt hinter dem Verhalten? Wie lässt sich ein Gespräch beginnen? Wann reicht pädagogische Begleitung aus und wann braucht es therapeutische oder medizinische Unterstützung? Wir erarbeiten Antworten, die sich auf den Berufsalltag in Schule, Schulsozialarbeit, Jugendhilfe und Erziehungshilfe übertragen lassen.
Was vermittelt die Fortbildung?
Selbstverletzendes Verhalten darf weder verharmlost noch vorschnell bewertet werden. Fachkräfte müssen ruhig reagieren, die Situation ernst nehmen und gleichzeitig innerhalb ihres beruflichen Auftrags handeln.
In der Fortbildung betrachten wir deshalb zunächst mögliche Funktionen des Verhaltens. Selbstverletzungen können beispielsweise im Zusammenhang mit starkem Stress, inneren Konflikten oder emotionaler Überforderung auftreten. Die Fortbildung vermittelt jedoch keine vereinfachte Erklärung, die auf jede betroffene Person angewendet werden kann. Entscheidend bleibt, die individuelle Situation aufmerksam wahrzunehmen und bei Bedarf weitere Fachstellen einzubeziehen.
Wir beschäftigen uns außerdem mit der Frage, was Betroffene durch das Verhalten erreichen oder regulieren möchten. Dieses Verständnis entschuldigt oder normalisiert die Selbstverletzung nicht. Es hilft Fachkräften vielmehr dabei, angemessener zu reagieren und vorschnelle Forderungen oder Schuldzuweisungen zu vermeiden.
Für wen eignet sich die Fortbildung?
Wir richten uns mit dem Angebot an Fachkräfte aus der Schulsozialarbeit, Jugendhilfe, Erziehungshilfe und Schule sowie an weitere Interessierte, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten. Die Fortbildung eignet sich sowohl für Personen, die bereits mit selbstverletzendem Verhalten konfrontiert wurden, als auch für Fachkräfte, die sich auf mögliche Situationen vorbereiten möchten.
Die Teilnehmenden sollten bereit sein, ihre bisherige Haltung und ihre eigenen Reaktionen zu reflektieren. Selbstverletzendes Verhalten kann bei Fachkräften Hilflosigkeit, Angst oder einen starken Handlungsdruck auslösen. Manche möchten sofort eine Lösung finden. Andere vermeiden das Gespräch aus Sorge, etwas falsch zu machen.
Genau dieses Spannungsfeld greifen wir auf. Fachkräfte sollen unterstützen können, ohne Aufgaben zu übernehmen, die in eine psychotherapeutische oder medizinische Behandlung gehören.
Für Personen mit einer eigenen unbearbeiteten Gewaltgeschichte ist die Fortbildung laut unserer Ausschreibung nicht geeignet. Die Inhalte und Übungen können intensive persönliche Reaktionen auslösen.
Wie sollten Fachkräfte auf selbstverletzendes Verhalten reagieren?
Eine ruhige und wertschätzende Reaktion schafft eine bessere Gesprächsgrundlage als Vorwürfe, Drohungen oder sichtbare Panik. Fachkräfte sollten das Verhalten ernst nehmen, ohne die betroffene Person ausschließlich darauf zu reduzieren.
Im Gespräch geht es zunächst darum, zuzuhören und die Situation besser zu verstehen. Eine pädagogische Fachkraft muss dabei nicht sofort alle Ursachen kennen oder eine fertige Lösung anbieten. Sie sollte jedoch wissen, welche Verantwortung sie trägt, welche internen Abläufe gelten und wann Eltern, Sorgeberechtigte, Beratungsstellen oder medizinische und psychotherapeutische Fachpersonen hinzugezogen werden müssen.
Besteht eine akute Gefahr, braucht es schnelle professionelle Unterstützung. Als erste Anlaufstellen nennt das Gesundheitsportal des Bundes unter anderem kinder- und jugendärztliche Praxen, Hausarztpraxen sowie Kinder- und Jugendpsychotherapeutinnen und -therapeuten. Außerhalb der Sprechzeiten ist der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116 117 erreichbar. Bei unmittelbarer Selbst- oder Fremdgefährdung sollen der Rettungsdienst unter 112 oder die Polizei unter 110 verständigt werden.
Wo liegen die Grenzen der pädagogischen Rolle?
Pädagogische Fachkräfte können beobachten, ansprechbar bleiben, Gespräche führen und passende Unterstützung anstoßen. Sie stellen jedoch keine medizinischen oder psychotherapeutischen Diagnosen und ersetzen keine Behandlung.
In der Fortbildung prüfen wir deshalb, wie Begleitung gelingen kann, ohne in eine therapeutische Rolle zu geraten. Diese Abgrenzung ist kein Rückzug aus der Verantwortung. Sie schützt die betroffene Person und die Fachkraft gleichermaßen.
Professionelles Handeln bedeutet, die eigenen Möglichkeiten zu kennen und rechtzeitig weitere Hilfe einzubeziehen. Dazu gehört auch, die Strukturen der eigenen Einrichtung zu prüfen: Wer muss informiert werden? Welche Dokumentation ist nötig? Welche Schutz- und Krisenabläufe gelten? Wer führt das weitere Gespräch?
Eltern und Sorgeberechtigte können sich bei Sorgen um die psychische Gesundheit eines Kindes unter anderem an kinderärztliche oder kinder- und jugendpsychotherapeutische Praxen wenden. Auch Erziehungs- und Familienberatungsstellen bieten niedrigschwellige Unterstützung.
Welche Inhalte behandeln wir?
Unsere Fortbildung verbindet theoretische Grundlagen mit praktischer Anwendung. Wir beschäftigen uns mit selbstverletzendem Verhalten, dem Umgang mit Betroffenen und Möglichkeiten der Prävention. Hinzu kommen Reflexionsphasen und der Transfer in das jeweilige Arbeitsfeld.
Weitere Bestandteile sind Übungen zum Umgang mit Stress, die Bedeutung von Erfolgserlebnissen und die Frage, wie Kinder und Jugendliche wieder Zugang zu sinnvollen und stabilisierenden Erfahrungen erhalten können. Filme zum Thema und Methoden aus dem Psychodrama ergänzen die Arbeit.
Die Übungen dienen nicht dazu, selbstverletzendes Verhalten nachzustellen. Sie unterstützen die Teilnehmenden dabei, eigene Reaktionen wahrzunehmen, Gesprächssituationen zu reflektieren und pädagogische Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln.
Wir vermeiden dabei starre Gesprächsrezepte. Jede Situation ist anders. Alter, Entwicklungsstand, Beziehung zur Fachkraft, aktueller Zustand und institutionelle Rahmenbedingungen beeinflussen das weitere Vorgehen.
Wie arbeiten wir in der Fortbildung?
Unsere Fortbildungen sind praxisorientiert und verbinden fachliche Grundlagen mit Übungen, Reflexion und konkreten Fallfragen. Passives Zuhören über den gesamten Seminartag entspricht nicht unserem Konzept.
Je nach Thema arbeiten wir mit interaktionspädagogischen Übungen, Rollenspielen, soziometrischen Methoden, Inszenierungen sowie Selbst- und Fremdreflexion. Nach der Veranstaltung erhalten die Teilnehmenden die verwendeten Inputs und Anleitungen per E-Mail. Unsere Fortbildungen können grundsätzlich auch als Inhouse-Veranstaltung bei einer Einrichtung durchgeführt werden.
Bei einer Inhouse-Fortbildung können wir den Bezug zum Team, zum Arbeitsfeld und zu vorhandenen institutionellen Abläufen stärker berücksichtigen. Dadurch lässt sich beispielsweise gemeinsam prüfen, wie bei einem konkreten Verdacht vorgegangen wird und welche Zuständigkeiten innerhalb der Einrichtung bestehen.
Fortbildung selbstverletzendes Verhalten bei uns
Unsere eintägige Fortbildung verbindet fachliche Grundlagen, Reflexion und praktische Methoden. Sie soll Fachkräften helfen, betroffene Kinder und Jugendliche ernst zu nehmen, angemessen zu begleiten und die Grenzen der eigenen Rolle sicherer einzuschätzen.
Der im Fortbildungsheft 2026 veröffentlichte Termin fand am 8. Mai 2026 in unserer AKADEMIE EiGEN-SiNN in Loßburg statt. Da dieser Termin bereits vergangen ist, informieren wir Interessierte über neue Termine direkt auf unserer Website oder im jeweils aktuellen Fortbildungsheft. Einrichtungen können außerdem eine Anfrage für eine Inhouse-Veranstaltung stellen.
