Wer Antiaggressionstrainer werden möchte, benötigt eine fachliche Zusatzqualifizierung und einen beruflichen Bezug zur pädagogischen Arbeit mit aggressiven oder gewaltbereiten Menschen. Bei der AKADEMIE EiGEN-SiNN bieten wir gemeinsam mit dem Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik e. V. in Frankfurt am Main die berufsbegleitende Ausbildung zur beziehungsweise zum Anti-Aggressivitäts- und Coolness-Trainer*in® (AAT®/CT®) an. Sie richtet sich vor allem an pädagogische Fachkräfte und Lehrkräfte, die mit schwierigen und gewaltbereiten Kindern, Jugendlichen oder jungen Erwachsenen arbeiten.
Die Ausbildung vermittelt keine eigenständige staatlich geregelte Berufsausbildung. Sie ergänzt eine vorhandene pädagogische Tätigkeit um Fachwissen, praktische Methoden und Handlungssicherheit in Gewaltprävention, Deeskalation und konfrontativer Pädagogik.
Wie kann man Antiaggressionstrainer werden?
Der Weg zum Antiaggressionstrainer führt über eine fachlich aufgebaute Weiterbildung. In unserer AAT®-/CT®-Ausbildung setzen sich die Teilnehmenden mit Ursachen und Erscheinungsformen von Gewalt auseinander. Sie lernen, aggressives Verhalten einzuordnen, klare Grenzen zu setzen und geeignete Interventionen für unterschiedliche Eskalationsstufen zu entwickeln.
Die aktuelle Kursreihe Nr. 55 wird berufsbegleitend in acht Seminarblöcken durchgeführt. Zwischen den Kursabschnitten bearbeiten die Teilnehmenden Praxisaufgaben und übertragen die erlernten Methoden auf ihr eigenes Arbeitsfeld. Den Abschluss bilden unter anderem eine Konzeptentwicklung, eine Präsentation und eine mündliche Prüfung.
Wer die Ausbildung erfolgreich abschließt, erhält ein Zertifikat und ist dazu befähigt, Anti-Aggressivitäts- und Coolness-Trainings durchzuführen. Ob und in welchem Umfang diese Trainings später angeboten werden können, hängt zusätzlich vom eigenen Grundberuf, dem Arbeitgeber und den institutionellen Rahmenbedingungen ab.
Welche Voraussetzungen gelten?
Unsere Ausbildung ist für Fachkräfte konzipiert, die bereits in pädagogischen, schulischen oder sozialen Arbeitsfeldern tätig sind. Dazu gehören insbesondere Beschäftigte aus der Jugendhilfe, der Bewährungshilfe, dem Strafvollzug, Heimen, der Kinder- und Jugendpsychiatrie, Jugendfreizeiteinrichtungen und Schulen.
Die aktuelle Ausschreibung verlangt bei der Anmeldung Angaben zur abgeschlossenen Ausbildung beziehungsweise zum Studium sowie zur bisherigen Berufserfahrung. Zusätzlich muss ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis eingereicht und zu Beginn der Ausbildung im Original vorgelegt werden.
Zur fachlichen Voraussetzung kommt eine persönliche hinzu. Die Ausbildung enthält Selbsterfahrungsanteile und konfrontative Methoden. Teilnehmende müssen deshalb bereit sein, die eigene Haltung, das Verhalten in Konflikten und persönliche Erfahrungen mit Gewalt zu reflektieren. Eine konfrontative Grundhaltung bedeutet dabei nicht Härte um jeden Preis. Sie verbindet klare Grenzziehung mit einer respektvollen und ressourcenorientierten Arbeit.
Was lernen angehende Antiaggressionstrainer?
Die Ausbildung verbindet theoretische Grundlagen mit praktischen Methoden. Zu den Lernzielen gehören aktuelle Erklärungsansätze für Gewalt, die Theorie und Anwendung von AAT® und CT®, Deeskalation, Gewaltprävention sowie die Entwicklung institutioneller Interventionskonzepte.
Die Teilnehmenden untersuchen außerdem, welche Bedingungen Gewalt in Einrichtungen begünstigen können. Sie entwickeln einen pädagogischen Ordnungsrahmen und übertragen die erlernten Methoden auf ihren Berufsalltag. Dabei werden primäre, sekundäre und tertiäre Gewaltprävention berücksichtigt.
Praktisch arbeiten wir unter anderem mit konfrontativer Gesprächsführung, Deeskalation, Psychodrama, Körpersprache, Inszenierungen und interaktionspädagogischen Übungen. Auch Methoden der Grenzziehung, Opferkommunikation, Biografiearbeit und die Bearbeitung von Neutralisierungstechniken gehören zur Ausbildung.
Neutralisierungstechniken sind Rechtfertigungen, mit denen Menschen die Verantwortung für ihr Gewaltverhalten abschwächen. Angehende Trainer lernen, solche Aussagen zu erkennen und zu bearbeiten, ohne den Menschen auf seine Tat zu reduzieren.
Welche Rolle spielt Selbsterfahrung?
Wer Antiaggressionstrainer werden möchte, muss konfrontative Methoden nicht nur theoretisch kennen. In der Ausbildung erleben die Teilnehmenden ausgewählte Interventionen selbst. Dazu gehört laut aktueller Ausschreibung auch die Selbsterfahrung auf dem „Heißen Stuhl“.
Diese Methode verlangt einen fachlich geschützten Rahmen. Es geht nicht darum, Menschen bloßzustellen oder wahllos zu provozieren. Die Teilnehmenden sollen erleben, wie direkte Konfrontation wirkt, welche Grenzen einzuhalten sind und welche Haltung für eine verantwortungsvolle Durchführung nötig ist.
Die Auseinandersetzung mit eigenen aktiven und passiven Gewalterfahrungen gehört ebenfalls zu den Ausbildungsinhalten. Dadurch können angehende Trainer besser erkennen, wie persönliche Erfahrungen ihre Wahrnehmung und Reaktion in konflikthaften Situationen beeinflussen.
Was bedeutet ROKT®?
Unsere Arbeit in der AKADEMIE EiGEN-SiNN basiert auf ROKT® – RessourcenOrientierten Konfrontativen Trainings. Ressourcenorientierung bedeutet, nicht ausschließlich Defizite und Fehlverhalten zu betrachten. Wir prüfen auch, welche Kompetenzen, Stärken und funktionierenden Bewältigungsmöglichkeiten ein Mensch bereits mitbringt.
Problematisches Verhalten wird trotzdem klar benannt. Die Verbindung aus Ressourcenorientierung und Konfrontation soll ermöglichen, Gewaltmuster zu bearbeiten, ohne die Person vollständig über ihre Taten zu definieren. In der Ausbildung lernen die Teilnehmenden deshalb auch Elemente der Ressourcendiagnostik und eine darauf aufbauende Zielentwicklung kennen.
Wie lange dauert die Ausbildung?
Die aktuelle Kursreihe Nr. 55 umfasst acht zweitägige Seminarblöcke. Sie beginnt am 6. November 2026 und endet am 4. Dezember 2027. Die Seminare finden in der AKADEMIE EiGEN-SiNN im Gartenweg 7 in Loßburg statt.
Zwischen den Blöcken erhalten die Teilnehmenden Aufgaben zur Vertiefung und praktischen Anwendung. Dadurch beginnt der Transfer in das eigene Arbeitsfeld bereits während der Weiterbildung.
Die Gesamtkosten der aktuellen Kursreihe betragen 3.450 Euro. Verpflegung und Übernachtung sind nicht enthalten. Da sich Termine, Gebühren und organisatorische Bedingungen bei späteren Kursreihen ändern können, gelten immer die Angaben der jeweiligen Ausschreibung.
Welche Leistungen sind für den Abschluss erforderlich?
Für das Zertifikat reicht die Teilnahme an einzelnen Modulen nicht aus. Die aktuelle Ausschreibung verlangt die durchgängige Anwesenheit in allen Kursabschnitten. Hinzu kommen ein Interview mit einer gewaltbereiten Person, eine Beschreibung der eigenen Institution sowie die Entwicklung eines Konzeptes zur Umsetzung von AAT®, CT® und konfrontativer Pädagogik.
Auch die Selbsterfahrung, eine erfolgreiche Abschlusspräsentation und eine mündliche Prüfung gehören zu den Qualifikationsnachweisen.
Diese Anforderungen zeigen, dass die Ausbildung auf die praktische Anwendung ausgerichtet ist. Die Teilnehmenden sollen nicht nur Methoden beschreiben können, sondern ein eigenes Trainings- oder Interventionskonzept entwickeln und fachlich begründen.
Bei der AKADEMIE EiGEN-SiNN Antiaggressionstrainer werden
Wir führen die AAT®-/CT®-Ausbildung gemeinsam mit dem ISS Frankfurt durch. Das ISS bringt wissenschaftliche Erkenntnisse aus Sozialarbeit, Beratung und Therapie ein. Wir ergänzen diese Grundlage durch unsere praktische Arbeit mit ROKT®, Gewaltprävention, konfrontativer Pädagogik und pädagogischen Weiterbildungen.
Interessierte Fachkräfte können uns ihren beruflichen Hintergrund und ihr geplantes Einsatzfeld schildern. Anschließend lässt sich klären, ob die Teilnahmevoraussetzungen erfüllt sind und ob die Ausbildung zur bisherigen Tätigkeit passt. Für die Anmeldung zur aktuellen Kursreihe sind das Bewerbungsformular und ein erweitertes Führungszeugnis erforderlich.
